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Europa vor 1000 Jahren


Europa vor 1000 Jahren
Immer wieder hat es in der Geschichte Zeiten gegeben, die von Umbrüchen und raschem Wandel gekennzeichnet waren. Immer wieder haben sich aus dem Zusammenbruch neue Ordnungen entwickelt, haben Menschen unter den Veränderungen gelitten, mit ihnen gerungen oder von ihnen profitiert.
Das ausgehende 9. und 10. Jahrhundert war eine solche Zeit des Umbruchs und der Erneuerung. Europa machte eine der schwersten Krisen seiner Geschichte durch. Herrscher wechselten einander in schneller Folge ab. Mächtige Adelsfamilien führten untereinander blutige Kriege. Auch die Kirche büßte ihre geistliche Autorität mehr und mehr ein und wurde durch innere Wirren zerrüttet

Zur Auslösung im Inneren kam die Bedrohung von außen. Von Norden drangen dieNormannen bis in das Innere des Reiches vor und richteten überall grauenvolle Verwüstungen an. Fast gleichzeitig überfielen die Ungarn Mitteleuropa. Die Gefahr ihrer Angriffe verringerte sich erst nach dem Sieg Ottos des Großen auf dem Lechfeld im Jahr 955, um dann mit der Gründung des christlichen Königreichs Ungarn um 1000 endgültig beendet zu sein. Die Sarazenen schließlich bildeten eine ständige Gefahr für Südfrankreich, Italien und das byzantinische Reich. Nur innere dynastische Auseinandersetzungen verhinderten damal ein weiteres Vordringen des Islam in Europa.

Nach allem setzt um die Mitte des 10. Jahrhunderts unter Otto dem Großen ein Neubeginn ein. Die äußeren Gefahren werden gebannt, und mit dem allgemeinen Wiederaufbau entsteht eine politische Ordnung, die den Gang der Geschichte auf Jahrhunderte bestimmt. Unter Otto dem Großen gewinnt Europa eine neue Gestalt: Die Grundlage der heutigen europäischen Staatenwelt entsteht.

Tradition und Neubeginn
Nach der Abwehr von Normannen, Ungarn und Sarazenen erlebte Europa in der Zeit Ottos des Großen einen kulturellen Aufschwung von beispiellosem Ausmaß. Dabei verschoben sich die künstlerischen Schwerpunkte von den alten karolingischen Zentren im Westen nach England und dem Osten.
In England waren es vor allem Winchester und Canterbury, auf dem Kontinent im Rheinland Köln und Trier, im Südosten Regensburg und die Reichenau., im Franken Fulda, in Sachsen Corvey, Hildesheim und Magdeburg, die unter dem Einfluß der großen kirchlichen Reformbewegungen und durch die Förderung des Kaisers und der großen Kirchenfürsten die kulturelle Entwicklung der Epoche prägten. Für eine kurze Phase des Mittelalters, beginnend mit Otto dem Großen, wurden sie zu führenden Zentren der europäischen Kunst.

Wichtigste Element des Neubeginns war die Wiederbelebung der karolingischen Tradition. Fast alle großen Kunstzentren de ottonischen Reiches griffen in dieser Zeit auf ältere Vorbilder zurück. Karolingische Bilderhandschriften, die sich im Besitz der Klöster und Kirchen befanden, wurden wieder hervorgeholt und als künstlerische Anregung und Vorlagen benutzt.
In Trier bildete eine karolingische Bibel den Ausgangspunkt für den Aufstieg zu früheren Zentrum der ottonischen Buchmalerei. In Fulda entstand bald nach der Mitte des 10. Jahrhunderts eine Handschrift, die ein Werk vom Hof Karls des Großen kopiert: der berühmte Codex Wittekiderus, der sich in Magdeburg befand, ehe er nach Enger in die Grabkirche des Sachsenherzogs Widukind gelangte, dessen Namen er heute trägt. Ähnliches vollzogsich in Corvey, in Regensgurg und auf der Reichenau. Überall wurde die karolingische Überlieferung zur Grundlage der neu entstehenden ottonischen Kunst.

Äußere Einflüsse kamen hinzu. In ihnen spiegelnsich die Vielfältigen diplomatischen und verwandschaftlichen Beziehungen wieder, die Otto den Großen mit anderen Mächten Europas verbande - von England, Burgund und dem westfränkischen Reich bis zu Bulgarien, Dänemark und dem Reich des Kalifen von Cordoba, dessen Glanz ganz Europa überstrahlte. Eine besobdere Stellung nahm Oberitalien ein, das durch die Heirat mit Adelheid, der Witwe des italienischen Könings Lothar, unter die Herrschaft Ottos des Großen gekommen war.
Er war Bewahrer und Vermittlerder antiken Tratition. Wie kein anderer Bereich verkörperte es jene imperiale Größe, die den Ottonen als Ausdruck ihrer Herrschaft vorschwebte. So kann es nicht verwundern, daß es oberitalienische Elfenbeinschnitzer wsren, die Otto der Große mit der Ausführung jenes gewaltigen Elfenbeinwerks betraute, das einst zur Ausstattung des Magdeburger Domes gehörte. Das Werk umfaßte ursprünglich mehr als fünfzig einzelne Reliefs. Sechzehn von ihnen sind noch heute erhalten, darunter eine Elfenbeintafel in New York, die Otto den Großen als Stifter des Magdeburger Doms vor Christus zeigt.

Von ähnlicher großen Bedeutung waren die Beziehungen zum byzantinischen Reich. Sie fanden ihren deutlichsten Ausdruck in der Heirat Ottos II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu im Jahre 972.
Auf einer Elfenbeintafel mit der Krönung Otto II. und Theophanuns erscheint das ottonische Kaiserpaar genau wie auf entsprechenden byzantinischen Krönungsdarstellungen aus Konstantinopel.
Der sog. Kaiserinnenschmuck aus Mainz ahmt Tracht und Luxus einer byzantinischenKaiserin nach. Die zahlreichen byzantinischen Elfenbeireliefs auf den Einbänden ottonischer Handschriften, die Nachsahmung orientalischer Purpurstoffe auf der Heiratsurkunde der Theophanu, die Verwendung griechischer Buchstaben in der ottonischen Buchmalerei - sie alle bezeugen die ungeheure Wirkung, die von der byzantinischen Kultur ausging.
Sie zeigen aber auch das Streben nach äußerster Prachtentfaltung, mit der das ottonische Herrscherhaus seine Gleichrangigkeit mitdem byzantinischen Kaisertum beweisen wollte.

Statue in Magdeburg